Kerzenschein in unserer Stadt

Da sind sie wieder. Die Lichter, die unsere Straßen und Plätze schmücken und ein wenig von ihrem Glanz auch in unsere Herzen schicken. Das macht es uns auch leichter, unsere Umwelt mehr mit dem Herzen wahrzunehmen. Mit dem Kerzenschein steigt auch die Sensibilität für die anderen Menschen um uns herum. Wir sehen Freude, Einsamkeit, Trauer und lassen diese Gefühle mehr zu, als in anderen Jahreszeiten. Wir üben uns, mit dem Herzen zu sehen. Denn wie der Fuchs dem kleinen Prinz schon sagt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Eine Qualität, die in unseren komplexen Zeiten zunehmend wichtiger für uns werden wird. Denn wenn der Verstand immer weniger alles um uns herum in seiner Vielfalt erfassen kann, sind wir umso mehr auf die Wegweisungen unseres Herzens angewiesen. In einem Bruchteil einer Sekunde können wir einen Menschen für uns einschätzen. Unser Verstand lässt uns vielleicht seine Vita erfassen, ist aber völlig hilflos, wenn es darum geht, zu sehen, was diesen Menschen so wertvoll für uns macht.
Ich wünsche Ihnen viel Kerzenschein in dieser Jahreszeit.

Standpunkte

Ein Schuh ist eben doch nicht nur ein Schuhwerk zum Laufen. Ganz deutlich werden hier auch Zeichen gesetzt. Es verleiht der Trägerin nicht nur Größe, sondern bringt auch zum Ausdruck, wie sie sich gerade fühlt. So setzt sie sich mit dem Schuh Schritt für Schritt auch in Szene. Zwar kommt so ein Schuh klein daher, aber im Gesamtarrangement doch von entscheidender Wirkung, stellt man sich nur zum edlen Outfit einen schlampigen Wanderschuh vor.

Darüber hinaus verändert sich auch mit dem Schuh unser Schritt. Wir schreiten oder schlendern, wir wandern oder klettern; und im Pantoffel schlürfen wir über den Boden.

Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, was ich am Fuß habe. Der Schuh kann auch drücken oder zu locker sitzen, was auch kein Spaß ist.

Wie man es auch nimmt, so ein kleines Detail kann das Wohlbefinden schon ganz schön beeinflussen. Nicht nur für die Außenwirkung auf andere, sondern auch in dem, was er mit und aus der Trägerin macht. Und schließlich: Geht einem dieses „Ich steh’ drauf!“ nicht auch locker über die Lippen, wenn man etwas mag?

So verhält es sich mit zahlreichen Details, die uns Tag für Tag umgeben. Vielleicht sollten wir gelegentlich mal etwas genauer hinschauen.

Manchmal muss es ein Hochseil sein

Ausflug ist nicht gleich Ausflug. Wer jetzt im Sommer im Kletterpark landet, wird merken, dass so manche Erfahrung unter die Haut geht. Denn das Klettererlebnis in luftiger Höhe bringt so den ein oder anderen doch an seine Grenzen und über diese hinaus. Was vom Boden aus noch so aussah, als könne man es bewältigen, stellt sich in 5 und mehr Metern Höhe doch als unüberwindbar dar. Und wenn man es dann trotzdem schafft, hat man nackter Angst oder zumindest einem reichlich mulmigen Gefühl direkt ins Gesicht geschaut.
Aber gerade die Grenzüberschreitung, das Wagnis in schwindelnder Höhe, wo man eben keinen sicheren Boden unter den Füßen hat, bringt neue Impulse. Der Ausflug wird über das positive Erlebnis hinaus zur heilsamen Erfahrung. Die Welt sieht von oben ganz anders aus als von unten. Nach der Grenzerfahrung hat man sich eine erweiterte Sicherheitszone erobert, mehr Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten gewonnen.
Denn ohne solchen Zwang, die selbst gewählte Krise zu bewältigen, die ein gerade bestiegenes Hochseil auslöst, fällt es uns schwer, in letzter Konsequenz mutig zu sein. Wir verstecken uns meist lieber hinter jeder Menge Bedenken, schauen zwar mal um die Ecke, aber es muss schon einiges passieren, bevor wir uns wirklich trauen, Gewagtes anzupacken. Und einmal oben, führt der Weg eben nur über den Parcours wieder zurück auf stabilen Boden.

Wild soll es blühen

So eine Wildblumenwiese ist eine Erholung fürs Auge. Hier darf wachsen, was und wie es wachsen will. Und was zeigt uns die Natur? Es wird auch ohne unser Dazutun wunderschön.
Da gibt es so manch gestylten Garten, der sich nach meinem Geschmack hiermit kaum messen kann.
Vieles können wir mittlerweile beeinflussen. Schönheit mit dem chirurgischen Messer, Verjüngung mit Tinkturen und Salben, Sonnenbräune mit Leuchtröhren. Aber ist das alles immer so sinnvoll? Ich habe manch alten faltigen Menschen als wirklich schön und ausdrucksstark empfunden. Weil sich hier das Leben spiegelte – ganz ungeschminkt, wie es gekommen ist, ganz wie der Mensch an seinen Freuden und Sorgen gewachsen ist.
Weniger ist wirklich oft mehr. Die Bionik zeigt uns sogar, wie viel wir von der Natur und ihren Prozessen heute noch lernen können. Ob der Klettverschluss, der Schmutz abweisende Autolack oder die ergodynamische  Sportbekleidung – aus der Natur lassen sich viele Erkenntnisse gewinnen, die uns den Alltag erleichtern.
Trotzdem meinen wir manchmal zu oft, unbedingt eingreifen zu müssen, wo eine respektvolle Zurückhaltung ein viel imponierenderes Ergebnis hervorbringen würde.
So sollten wir uns umso mehr an der Wildblumenwiese als einem der letzten Refugien ungestylter Natur erfreuen.

Bewegung in der Stadt

Jetzt gehören sie wieder zum Stadtbild, die Jogger, Surfer, Inliner, Radfahrer oder Spaziergänger. Die Stadt ist nicht mehr nur Ziel, um etwas zu erledigen. Nein am Flussufer, in den Parks und grünen Oasen tummeln sich die Menschen und bringen Bewegung ins Spiel.
Das bewegte Stadtbild versetzt aber auch den Betrachter in Schwingung. Entweder sehnt er sich selbst nach seinen Joggingschuhen oder zumindest regen doch die bunten Szenen den Geist an, zu erwachen und am Leben teilzunehmen. Denn Lebenslust ist ansteckend. Begegnungen sind vorprogrammiert und es entwickelt sich eine Eigendynamik, die mit sich reißt.
Ähnlich geht es den Menschen wohl auch mit den Artikeln unserer Stadtausgaben. Die zahlreichen engagierten Personen, die hier einfach aus dem Nichts ins Licht treten und von ihren Aktivitäten berichten, regen an, auch etwas zu bewegen. Wenn der oder die das kann, ist es dann vielleicht doch möglich, diese oder jene lang gehegte Idee umzusetzen? Leben heißt,  in Aktion treten. Wir zeigen Menschen unserer Stadt, die in ihrem Umfeld Akzente gesetzt und damit etwas in Bewegung gebracht haben, das wiederum andere Menschen inspiriert, sich hier anzuschließen, mitzumachen oder einfach mal auszuprobieren.
Das Feld der Entdeckungen ist riesig. Gehen wir es an!

 

 

Der Frühling lässt uns strahlen

Das muss erst mal beschnüffelt werden. Wie riechen die Tulpen, wie das Gras? Missy macht sich geschäftig mit ihrer Nase ein Bild von der frühlingshaft veränderten Welt. Die Vulkanwolke am Himmel interessiert nicht, wenn es hier auf Erden so wenig braucht, um glücklich zu sein.
An den Jahreszeiten merken wir es ganz deutlich, alles verändert sich stetig. Was wir aber nicht so wahrnehmen, wir verändern uns mit den äußeren Veränderungen. Schleichen wir mit traurigen Gesichtern in den grauen Wintertagen umher, so kann man uns jetzt quasi aus allen Poren strahlen sehen. Hat rote Beleuchtung Einfluss auf den Geschmack von Rotwein, wie die Uni Mainz unlängst feststellte, so fallen mir gleich unzählige Gelegenheiten ein, bei denen Geruch meine Befindlichkeit prägt. Der Frühlingsduft, der Missy hier beeindruckt, die Vorboten eines guten Essens, die aus der Küche strömen und alle Geschmacksnerven aktivieren oder der Duft eines Parfums. Direkt entsteht bei mir eine Resonanz mit den Einflüssen des Umfeldes.
Also von wegen mein Kopf entscheidet, weit gefehlt. Denn bei knurrendem Magen kann nur schon die nächste Currybude hier recht ernüchternd sein. Ganz bescheiden stellen wir dann fest, wie verwoben wir mit der ganzen Außenwelt sind, mit dem Wind vom Essensstand, dem Regen, der Sonne, dem Blütenduft, dem Wohlgeruch und dem Gestank, dem zarten Vogelgezwitscher oder dem Fluglärm. Nach all den einströmenden Einflüssen bleibt nicht mehr viel Autonomie, wohl aber viel Möglichkeit, den Frühling zu genießen …

 

 

Auf ein Wort

Wie sieht eine Kulisse für jemanden aus, der auf dem Kopf steht? Wo ist das in Frankfurt? Diese Augenblicke gibt es tatsächlich in unserer Stadt zu entdecken. Wir wollen nicht alles auf den Kopfstellen, sehr wohl aber den Perspektivenwechsel an der einen oder anderen Stelle wagen.
Den sich dabei ergebenden Veränderungen des Blick­winkels wollen wir uns stellen. Was lösen sie in uns aus? Sie verraten uns so einiges über das Leben in dieser Stadt, aber auch über unseren eigenen Bezug zu Frankfurt. Wir wollen mit der neuen lokalen zeitung stadtausgabe frankfurt Momente festhalten, Entwicklungen verfolgen, Situationen wahrnehmen, hinschauen, dahinter blicken, etwas mehr verstehen, aber auch Gefallen finden und ausprobieren. Dabei werden wir dann Verborgenes erkennen, Verwunderung erleben und durchaus Spaß dabei haben.
Eventuell denken wir, „wie gut, dass ich das jetzt einmal so gesehen habe“ oder vielleicht auch, „das hätte ich nie gedacht“. All dies kann passieren bei einem Blick hinter die Kulisse oder einem Perspektivenwechsel im Kopfstand. Gesehenes definiert sich gleichsam neu. Ein Stückchen mehr von Frankfurt wird uns erschlossen mit unserem Verstand und besonders in unserem Empfinden.
Weil es uns mehr auf das Empfinden als auf das Ver­stehen ankommt, werden wir die Themen der stadtausgabe frankfurt mit den Augen und Gedanken von Menschen erfahrbar machen. Aus verschiedenen Bezügen, mit unterschiedlichem Verständnis und Erfahrungs­horizont können Frankfurter oder Touristen uns von ihren Erfahrungen berichten. Menschen machen unser Frankfurt aus. Menschen, die sich engagieren, die Projekte nach vorne bringen, aber auch Menschen, wie sie die Mainmetropole erleben als freundliche Stadt, als fremde Stadt, als Heimat.
Aus verschiedenen Perspektiven sehen Menschen in dieser Ansammlung von Häusern und Geschäften, dem Gewirr von Straßen und Geflecht von Wegen ihre Stadt und machen diese Erfahrungen hier in unserem neuen Magazin uns allen zugänglich.