Parken in Mainz

Was bekomme ich für mein Geld?

Anlässlich der neuesten Parkgebührenerhöhung in den städtischen Parkhäusern hat die Lokale Zeitung sich auf den Weg gemacht, um in Stichproben einige Mainzer Objekte auf die Frage hin zu beleuchten, was man wo für sein Geld bekommt.

Ein Argument für die Gebührenerhöhung von Seiten der Verantwortlichen ist der langfristige Plan der Stadtverwaltung, alle Parkhäuser barrierefrei zu gestalten. Konkret heißt das zum Beispiel, dass die Parkplätze breit genug werden sollen, um Rollstuhlfahrern die Nutzung zu ermöglichen. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass es weniger Parkplätze geben wird als bisher, und es bleibt zu fragen, wie dies kompensiert werden kann. Ein anderes Argument ist der mit drei Millionen Euro defizitäre Haushalt der ‚Parken in Mainz‘ GmbH. Die PMG, eine Tochtergesellschaft der Stadt, begründet das Defizit mit dem Ankauf von zwei der Stadt gehörenden Parkhäusern und aufwendigen Sanierungsarbeiten an verschiedenen Objekten.

Parkhaus Am Kronberger Hof

495 Stellplätze stehen auf sechs Parkdecks zur Verfügung, davon vier Behindertenparkplätze, die per Aufzug zwischen Parkdeck und Straße verbunden sind.
Die erste halbe Stunde kostet 0,80 Euro, jede weitere angefangene halbe 1,10 Euro. Gerechtfertigt wird der Preis wohl durch die auf den Kassenautomaten zu lesende Bezeichnung „Premium-Parkhaus“. Unter dieser Kategorie werden die Parkhäuser Rathaus, Theater und Kronberger Hof seit der neuen Gebührenverordnung vom 01. Juli 2010 geführt. (Auf der PMG-Homepage ist allerdings nicht vermerkt, nach welchen Kriterien ein Parkhaus als „Premium“ kategorisiert wird.)
Der Tageshöchstsatz beträgt 14 Euro, für die Nacht 5 Euro, für Theaterbesucher 5 Euro, bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten fallen 0,50 Euro an (auf der so genannten ‚Brötchentaste‘). Bei Kartenzahlung gibt es 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr, außerdem ist das Anmieten von Parkplätzen möglich.
Die Zufahrt hat eine Höhe von 1,75 Meter und das Parkhaus ist 24 Stunden durchgehend geöffnet.
Als offener Bau ist das Parkhaus Am Kronberger Hof tageslichthell, die Luft dementsprechend in Ordnung. Treppenhaus und Aufzug sind sauber und gepflegt, die einzelnen Decks wirken durch einige in Farben gestrichene Wände recht freundlich. Auffällig sind die zahlreichen Notrufsäulen, mindestens vier gibt es in relativ geringen Abständen auf jeder Etage.

Parkhaus Römerpassage

Diese Parkmöglichkeit bietet 181 Stellplätze, 11 Behindertenparkplätze sowie Eltern- und Kind-Parkplätze. Die Höhe der Einfahrt über die Emmeransstraße beträgt 2 Meter, auch hier ist durchgehend geöffnet. Die erste halbe Stunde kostet 0,80 Euro, die zweite 0,90 Euro, jede weitere angefangene halbe Stunde 1 Euro. Bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten gilt wieder die ‚Brötchentaste‘. Die Tageshöchstgebühr liegt bei 15,50 Euro, die Nacht bei 6 Euro.
Auch hier gibt es bei Kartenzahlung 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr. Außerdem ist das Anmieten von Parkplätzen möglich.
Beim Betreten fallen als erstes die schlechte Luft und die arg niedrigen Decken auf. Sicherheitstechnisch etwas fragwürdig erscheint es, dass sich der Eltern und Kind-Parkplatz direkt an einer Kreuzung bzw. Durchfahrt zur nächsten Etage befindet. Die Stellplätze sind sehr eng, sodass beim Ein- und Ausparken Vorsicht geboten ist.

Parkhaus Bleiche

In den Sommermonaten Juni, Juli, August gibt es 50 Prozent Rabatt aufs Kurzparken.
Das neue Parkhaus Bleiche bietet 227 Stellplätze und zwei Behindertenparkplätze im Untergeschoss. Die Einfahrt (2 Meter Höhe) ist über die Balthasar-Maler-Gasse erreichbar und auch dieses Parkhaus ist durchgehend geöffnet. Zu zahlen sind 0,80 Euro für die erste halbe Stunde, für jede weitere 1 Euro, als Tageshöchstsatz 14 Euro, pro Nacht 5 Euro. Bei einer Parkzeit von unter 30 Minuten fallen 0,50 Euro an. Bei Kartenzahlung gibt es 10 Prozent Rabatt, das Parkticket gilt auch als Fahrschein für den Stadtlinienverkehr.
Das neu gebaute Parkhaus Bleiche, das sich direkt an den MVB-Neubau anschließt, überrascht positiv mit seiner breiten Ein- und Ausfahrt, der geräumigen Bauweise mit hohen Decken, breiten Stellplätzen sowie einem blauen Gummiboden, der die Geräusche angenehm dämpft.

Parkhaus Am Taubertsbergbad

Hier gibt es 767 Stellplätze und 21 Behindertenparkplätze. Die Zufahrt folgt über die Binger Straße /
Wallstraße, die Einfahrtshöhe beträgt 2,10 Meter. Der Betreiber PMG verlangt für die erste halbe Stunde 0,80 Euro, für jede weitere angefangene halbe Stunde 1 Euro.
Die Einfahrt ist hell und geräumig wie das ganze Parkhaus, das nicht durch Außenwände abgeschlossen, sondern zwischen den Parkdecks offen ist. Geht man allerdings 90 Minuten für 3,70 Euro schwimmen, plus eine halbe Stunde zum Umkleiden, zahlt man 3,80 Euro fürs Parken. Die Tagespauschale für Schwimmbadbesucher beträgt zwar 4 Euro, das nutzt bei einem Kurzbesuch jedoch wenig.
Die ‚Rabattierung mit der Bahncard am Kassenautomat bis zu 45% der Parkgebühr‘ ist zwar auch nicht verkehrt, wenn man eine Bahnfahrt vorhat und im Besitz einer Bahncard ist, aber dem ‚normalen‘ Parker kommt das eher selten zugute.

Parkhaus Am Brand

Das nicht zur PMG gehörende Parkhaus Am Brand verfügt über 910 Stellplätze, sowie Frauenparkplätze direkt neben Kassenautomat und Ausgang. Für Dauerparker beträgt die Gebühr bis zu 25 Minuten Parken 1 Euro, bis 50 Minuten 2 Euro. Stellplätze sowie Ein- und Ausfahrt sind nicht in Breite und Höhe angemessen in Ordnung. Die Decken sind relativ niedrig, die Atmosphäre ist trotzdem nicht unangenehm. Aufgrund der direkten Nähe zur Fußgängerzone ist die Lage sehr günstig.
Die Parkgebühr ist leider, wie die meisten Mainzer wissen, hoch, sodass man bei zwei Stunden Parken mit 5 Euro dabei ist. Dafür gibt es, wie uns der private Betreiber Park Service Hüfner GmbH + Co.KG erklärt, rund um die Uhr zwei Ansprechpartner vor Ort, die Parkleitzentrale ist durchgehend besetzt. Das Personal wird speziell geschult, um in Konfliktsituationen zu deeskalieren, mit Beschwerden umzugehen und in Notfällen rasch und besonnen zu handeln.  

Was können wir nach unserer – zugegeben unvollständigen –
Begutachtung festhalten?

Nun, es gibt angenehmere und weniger angenehme Parkgelegenheiten in der Mainzer Innenstadt. Wie wichtig die Atmosphäre einer PKW-Abstellmöglichkeit zu gewichten ist, ist natürlich eine Frage des persönlichen Anspruchs und Geschmacks, aber auch der Sicherheit.
Was die zahlreichen Sonderangebote, Rabattmöglichkeiten und Tarifunterschiede betrifft, sind wir der folgenden Meinung: Dass das Parkticket 24 Stunden lang für das gesamte Stadtliniennetz der Mainzer Verkehrsgesellschaft mit bis zu 4 Begleitpersonen gilt, ist zum Beispiel eine praktische Sache. Oder, dass man im Parkhaus Theater an den Markttagen (Dienstag, Freitag und Samstag) von 7 bis 8 Uhr kostenfrei parken kann, ist ein Anreiz zum Marktbesuch und wird daher auch die Marktstandbetreiber freuen. Dass man im Parkhaus Bleiche in den Sommermonaten Juni, Juli und August auf ein Kurzzeitparkticket 50 Prozent Rabatt bekommt, ist eine schöne Idee.

Allerdings – vielleicht geht es Ihnen ähnlich – haben sich uns folgende Fragen gestellt: Werden diese Sonderkonditionen unter ihren jeweils recht spezifischen Bedingungen in ihrer Vielfältigkeit nicht fast schon unübersichtlich? Und wann, wie oft und wie viel profitiert der ‚Otto-Normal-Parker‘ am Ende wirklich davon?

 •em•


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