Lebenslanges Lernen in der Grünen Schule im Botanischen Garten

Ute Becker vermittelt mit Leidenschaft die Artenvielfalt

Privat ist Dr. Ute Becker in Mainz noch nicht ganz angekommen, denn noch pendelt sie an den Wochenenden oft nach Marburg. Am 1. Januar hat die Diplom-Biologin ihre neue Stelle als Leiterin der Grünen Schule angetreten und hier ist sie mehr als angekommen.

Dass die Johannes-Gutenberg-Universität eine Stelle für die Bildungsarbeit in Schulen geschaffen hat, ist eine einmalige Besonderheit in Deutschland und ihr großes Glück. Umweltbildung sei schon während ihrer Promotion ihr besonderes Steckenpferd gewesen, erzählt die Biologin. In verschiedenen Bildungseinrichtungen hatte sie daher ihre Begeisterung für das Thema Biologie und insbesondere für die Pflanzenvielfalt vermittelt. Nach einer Ausbildung zur Gärtnerin und dem Studium in Göttingen promovierte sie in Marburg und baute dort im Botanischen Garten eine Grüne Schule auf. Mit ihrer Kombination aus Ausbildung, beruflicher Tätigkeit und den Erfahrungen, die sie beim Aufbau der Grünen Schule in Marburg gemacht hat, bot sie die perfekten Voraus­setzungen für die jetzige Stelle an der Mainzer Uni.
Hier gilt es die Grüne Schule jetzt mit Leben zu füllen, doch das scheint Ute Becker mit Leichtigkeit zu gelingen, wie die vielen Anfragen von Schulen zeigen. Die Konzeption und Organisation von Angeboten für Menschen im Alter zwischen 5 und 95 ist eine ihrer Hauptaufgaben. „Wir möchten ein Bewusstsein für die biologische Vielfalt schaffen und damit auch etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun“, erklärt sie die Aufgaben des außerschulischen Lernortes. Die große Pflanzenvielfalt des Botanischen Gartens mit den über 9.000 Arten kommt ihr dabei zugute. Zum Beispiel beim Pflanzenbestimmungskurs, der derzeit im Rahmen des Studiums 50+ vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung angeboten wird.
Bei den Kursen für Schulen sei es wichtig, den Bezug zur Lebenswelt der Schüler herzustellen und die Angebote an den Schulstoff anzugliedern. Beispiele für solche handlungsorientierten Angebote sind die Forschungsstationen Regenwald und Wüste. Den Weg des Kaffees vom Strauch bis in die Tasse erfahren die Schüler bei der „Kaffeefahrt“. Bittersüß geht es dagegen in der Schokoladenwerkstatt zu. Mit allen Sinnen erfahren die jugendlichen Teilnehmer hier, woraus Schokolade eigentlich gemacht wird. In den tropischen Gewächshäusern lernen sie Kakaobaum und Zuckerrohr kennen, bevor sie dann selber Kakaobohnen mit dem Mörser zu Schokolade zerreiben dürfen. „Mir liegt es sehr am Herzen, dass die Schüler die Vielfalt in der Natur besser wahrnehmen können“, betont die Biologin. Im Unterschied zum Schulunterricht sei im außerschulischen Lernort ein ganz anderes Lernen möglich. „Hier gibt es keinen Notendruck und Wissen kann sehr praxisnah vermittelt werden.“ „Die Arbeit in der Grünen Schule ist eine tolle Herausforderung“, freut sich Ute Becker über die Möglichkeiten, die sie hier hat. Dabei ist sie sich bewusst wie glücklich sie sich schätzen kann, dass die Mainzer Uni diese Investition in die Grüne Schule getätigt hat. Möglich sei dies vor allem durch den Freundeskreis des Botanischen Gartens gewesen, der mit einer Spende von 60 000 Euro den Grundstock für die Finanzierung des ca. 400.000 Euro schweren Projektes gelegt hat. Ein weiterer Grund für die Realisierung des Projektes sei der Erfolg der Führungen, die schon länger im Botanischen Garten angeboten werden. Darüber hinaus hat sich die Mainzer Uni dem lebenslangen Lernen in ihrem Leitbild verschrieben und das ist hier jetzt besonders gut möglich.
Im Rahmen eines Sommerfestes wurde am 19. Juni die Eröffnung der Grünen Schule im Botanischen Garten offiziell gefeiert. Die Angebote finden Sie unter www.botgarten.uni-mainz.de. •ust•


Foto: Ute Strunk


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