Naturgartenspezialisten kümmern sich um ökologische Vielfalt

Reichtümer entdecken

Weil die Blumengeschäfte und Gärtnereien bloß entweder exotische importierte Pflanzen führten oder solche, die aus Stecklingen gezogen waren, und weil ‚naturnah‘ damals nicht gefragt war, suchte eine kleine Gruppe von Naturliebhabern nach Alternativen. Entstanden ist daraus das „Ahornblatt“, das sich der Wiederentdeckung und Bewahrung der heimischen Pflanzenwelt verschrieben hat.

Nach ehrenamtlichen Anfängen merkten sie bald, dass für dieses Projekt ihr ganzer Einsatz nötig war. Seit 1993 gibt es das Ahornblatt offiziell. 2000 erwarben sie zusätzlich das nach hinten angrenzende Areal. Dort sind heute die besonderen Schätze der naturnahen Gärtnerei zu finden. Seltene, unverkäufliche Einzelexemplare, die sorgsam behütet heranwachsen, und später vermehrt werden sollen – aus Samen gewachsen, wohlgemerkt. „Das bedeutet, dass sie langsamer wachsen, aber dafür widerstandsfähig sind – im Gegensatz zu ‚veredelten‘ Gewächsen aus Stecklingen, die zwar schnell wachsen, aber auch selten einen Winter überstehen“, erklärt Gerold Baring-Liegnitz. Er ist einer von denjenigen, die ihre Leidenschaft für die heimische Pflanzenwelt entdeckt und zur Hauptbeschäftigung gemacht haben. „Wir sind alle fachfremd – das ist wahrscheinlich die Voraussetzung für unseren unkonventionellen Blick, der denen, die auf herkömmliche Weise ausgebildet wurden, oft verloren gegangen ist“, erklärt er. Das nötige Fingerspitzengefühl sei während dem Kennenlernen der Gewächse entstanden. ‚Von Hause aus‘ ist er eigentlich Jurist. „Jurist?“ „Ja“, er lacht, „aber ich habe umgesattelt.“ Jetzt ist er beim Ahornblatt beschäftigt und hat daneben noch einen kleinen Betrieb für Gartenplanung und Gartenpflege. „Denn hier weiß ich: Mit jeder verkauften Pflanze tue ich etwas Gutes.“

Komplexe Ökosysteme

Einsatz für die Erhaltung der heimischen Artenvielfalt tut not, denn viele der ursprünglichen, oft Jahrhunderte alten Wildpflanzen sind vom Aussterben bedroht. Zu viel Fläche wird bebaut und versiegelt, zu wenig Raum bleibt für natürliches Wachstum. „Ökosysteme sind so komplex und in ihren vielen Wechselwirkungen seit Jahrtausenden perfekt eingespielt –die Menschen können die Folgen und Gefahren nicht wirklich abschätzen, die jeder Eingriff nach sich zieht“, betont Gerold Baring-Liegnitz. Pflanzen, die in ihrer natürlichen Umgebung wachsen, sind ein perfektes Beispiel: Sie ziehen allein durch ihren intensiveren Duft allerlei Kerbtiere an, wie etwa der Gelbe Blasenstrauch die seltene Holzbiene. „Mit einem naturnah angelegten Garten beginnt der Umweltschutz vor der Haustür“, sagt Gerold Baring-Liegnitz. Naturnah heißt: robuster, meist winterhart, kaum anfällig für Schädlinge – und wenn es mal Blattläuse gibt, kommen auch bald die Marienkäfer. „Im Grunde genommen machen wir es der Natur nur nach. Schließlich würde es dort niemals Monokulturen geben“, verdeutlicht er. So hat man beispielsweise herausgefunden, dass Obst besser wächst, wenn man Wildsträucher zwischen den Bäumen pflanzt. Derzeit werden im Ahornblatt verstärkt Ur-Obst-Sorten gezogen und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Und Rosen, wie die Zimt-Rose mit den schwarzen Hagebutten, die über tausend Jahre alte Apotheker-Rose, die Berg-Rose, die weichblättrige Rosa mollis oder die kletternde Hundsrose … Aber eigentlich müssen Sie das selbst sehen… •em•


Foto: Eva-Maria Albus


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