Mit dem Struwwelpeter auf Weltreise

Eine Frage der Sichtweise

Wenn man eine Umfrage machen würde, wer wohl der berühmteste Frankfurter ist, dann würde man sich wahrscheinlich wundern. Der Star stammt aus einem Bilderbuch von 1844, das mit mehr als 540 Auflagen in 40 Sprachen erschienen ist.

Die Chefin des Struwwelpeter-Museum Beate Zekorn-von Bebenburg beschäftigt sich schon seit über zehn Jahren mit Zappel-Phillip und Kollegen. Sie hat bereits Kinderbuchforschung studiert. „Das war Bestandteil meines Germanistik-Studiums und geht nur in Frankfurt“, erklärt sie. Nach dem Studium war sie Museumspädagogin und freie Mitarbeiterin im Museum für Völkerkunde in Frankfurt. Mit der speziellen Kombination von Museumspädagogik und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Kinderliteratur passte sie 1991 wie keine zweite auf die Stellenausschreibung des Struwwelpeter-Museums. Seitdem ist sie mit Leib und Seele ein Struwwelpeter Fan.

Arzt und Psychiater

Der Struwwelpeter-Erfinder Heinrich Hoffmann war eigentlich Arzt und Psychiater. Die Geschichten, die ihn so berühmt gemacht haben, hat er sich ausgedacht, um seine kleinen Patienten bei Laune zu halten, erklärt Zekorn-von Bebenburg. Und dennoch sind es seine Bücher, die ihn weltberühmt gemacht haben. Mitte der 1970er Jahre waren die Geschichten umstritten. Hoffmann wurde als ‚schwarzer Pädagoge‘ bezeichnet. Das erzieherische Element, das Figuren wie der Struwwelpeter durchleben, wurde damals als Androhung von psychischer und physischer Gewalt verstanden und als brutales Erziehungsprinzip gebrandmarkt.Die Museumschefin findet, dass man Hoffmann damit unrecht tut und sieht eine ihrer Aufgaben darin, dies richtigzustellen. Für sie sind Figuren wie der Struwwelpeter, Hans Guck-in-die-Luft, der fliegende Robert oder der Zappel-Philipp allesamt sich auflehnende Revoluzzer. Sie sind anders. Für sie wollte Hoffmann einfach unterhalten: „Er fand die Kinderbücher seinerzeit schlichtweg langweilig und beschloss, selbst ein Bilderbuch für seinen Sohn zu schreiben.“ Das als privates Geschenk gedachte Bilderbuch sorgte für großes Aufsehen. „Es war einfach anders“, erklärt Zekorn-von Bebenburg den großen Erfolg.   •ag•


Foto: Armin Gemmer


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