Park Café: Neues Selbstbewusstsein und originelle Ideen
Tanzen unter Denkmalschutz
Geschichte ist, was man draus macht! Dieses Motto dürfte während der letzten Renovie-rungsarbeiten in der Wiesbadener Wilhelmstraße 36 Kaan Gökalps ständiger Begleiter gewesen sein. Kaan Gökalp ist Betriebsleiter des Park Cafés und hat als gelernter Bauingenieur die Umbauarbeiten zwischen 2003 und 2006 selbst geplant.
Seit April 2006 hat die im Wiesbadener Adressbuch 1881/82 erstmals unter dem Namen Hôtel du Parc verzeichnete Lokalität wieder ihre Pforten geöffnet. Gleichwohl war das Erbe für die neue Belegschaft gleich in doppelter Hinsicht alles andere als einfach anzutreten: Einerseits gehört das Haus in der Wiesbadener Vorzeigestraße der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Baurechtliche Auflagen prägten die Renovierung dort deshalb stärker als in Clubs andernorts (Stuckdecke, Empore). Andererseits fügte eine Schießerei zwischen zwei türkischen Clans vom April 2003 unmittelbar vor dem Park Café seinem Ruf zumindest zeitweise einige Kratzer zu.
Facettenreichtum und Prominenz
Heute präsentiert sich der Ort mit neuem Selbstvertrauen und originellen Ideen: Seit cirka vier Monaten ist die Küche wieder täglich in Vollbetrieb – seit Kurzem mit einer wöchentlich wechselnden internationalen Karte zu Wilhelmstraßen-untypischen, moderaten Preisen. Neu ist auch das Freitagsprogramm: Verschiedene DJs, allen voran ein Veteran des Parkcafés, DJ Sherry, beschallen dabei das Publikum, zu dem gelegentlich auch die Sängerinnen des deutschen Pop-Trios Monrose oder der Super- und Dschungelcamp-Star Daniel Küblböck gehören. Auf die Frage, was das Park Café für ihn so attraktiv macht, antwortet Sherry: „Man merkt, dass über fünf Dekaden hier getanzt wurde.“ Für den Resident bei Planet Radio wird die Geschichte des Ortes spürbar. Wenn der Abend gut ist, lege er deswegen gerne bis in die frühen Morgenstunden auf.
Einen besonderen Ruf genieße der Sonntagabend, so Peter Schmidt, der für die Pressearbeit des Park Cafés zuständig ist. Bei Hip Hop-, R&B- sowie Soul-Klängen tanzten die Gäste hier bis zum Sonnenaufgang am Montag, während die Linienbusse draußen schon den Beginn einer neuen Arbeitswoche ankündigten. Zum festen Repertoire hingegen gehören mittlerweile der „Students Club“ jeden Donnerstag und regelmäßig Semesterabschlussfeten. „From Students 4 Students“ lautet dabei die Idee, denn das Park Café ist als großes Tanzlokal mit Bar und Gastronomie nicht zuletzt „Arbeitgeber vieler Studentinnen und Studenten, die als Nebenjob im Servicebereich tätig sind“, bemerkt Schmidt.
Gehobenes Clubbing für Jung und Alt
Freilich gehen auch für das Park Café die Uhren im Sommer anders. So lassen beim Besuch der Lokalen Zeitung an einem warmen Freitagabend im Juli die Gäste bis nach Mitternacht und länger auf sich warten. Dann wird aber sogleich die Tanzfläche bevölkert und die schwingenden Tanzbeine machen der Historie des Ortes alle Ehre. „Manchmal“, erklärt Betriebsleiter Gökalp, „finden auch ältere Ehepaare den Weg in den Club, um zu sehen, was aus dem Ort geworden ist, an dem man sich zum ersten Mal tief in die Augen blickte.“ Für den Nachtschwärmer der Lokalen Zeitung steht fest: Wem Clubbing in stilvollem Ambiente, eine gepflegte Garderobe und Service auf hohem Niveau sowie Hip Hop- und House-lastige Musik gefallen, ist in der Wilhelmstraße 36 genau an der richtigen Adresse. Wem diese Attribute eher suspekt vorkommen, sollte es sich überlegen. Die Mühe sowie der programmatische Ideenreichtum, mit denen das Park Café betrieben wird und erst recht seine Geschichtsträchtigkeit bleiben davon unberührt. •gro•
Foto: Andreas Groth

