Zwischen Wissenschaft und Wirtschaftsjournalismus

Eine Projektidee wurde zu einer ungewöhnlichen Buchreihe

Um ihren Studenten die Praxis des Schreibens nahe zu bringen, entwickelte Andrea Beyer, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der FH Mainz, eine ungewöhnliche Idee. Anstelle einer Hausarbeit am Semesterende bekamen die Studenten die Aufgabe, Portraits zu schreiben –  mit dem Ziel der Veröffentlichung. Das Projekt entwickelte sich zum Selbstläufer. Mit „Globalisierung hautnah – Expatriates im Gespräch“ ist jetzt das fünfte Buch der Porträt-Reihe erschienen.

Nach ihrer Promotion ging Dr. Andrea Beyer in einen Bereich, in dem Fachleute sehr wichtig sind, der für Wissenschaftler aber eine ganz neue Herausforderung darstellt. Als Wirtschaftsjournalistin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung brachte sie den monatlichen Management-Newsletter heraus und lernte dabei als Branchen­analystin, wie man Fachwissen so transportiert, dass Fachfremde es auch verstehen. „Ich hatte das Glück, eine tolle Chefin zu haben, die mir mit Lob und Kritik viel beibrachte“, erinnert sie sich an ihre journalistischen Anfangszeiten. „Manchmal war es schon frustrierend, die Artikel komplett rot zurück zu bekommen“, schmunzelt sie.
Was sie bevorzuge – das wissenschaftliche oder das journalistische Schreiben – das könne sie gar nicht sagen. „Beides macht mir viel Spaß, beides ist eine Herausforderung: Wie transportiere ich Wissen am besten?“ 1992 kehrte sie als Professorin mit dem Schwerpunkt Medienökonomie in die Wissenschaft zurück.

Erfahrungen mit dem Projekt

„Am Anfang war ich schon skeptisch, ob das funktioniert“, sagt Andrea Beyer im Gespräch über die Entstehung der Buchreihe. Aber am Ende sei sie sehr positiv überrascht gewesen. Auch darüber, wie gut das Projekt von den angesprochenen zu Porträtierenden aufgenommen und unterstützt worden sei. „Die meisten waren doch neugierig, was daraus wird.“
„Ich sage den Studenten immer: Das ist ihr Buch. Ich kann gerne meinen Senf dazu geben, aber entscheiden müssen sie das.“ Tolle Diskussionen seien so immer wieder entstanden. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, zu erleben, wie sensibel die Studierenden beispielweise für den Blickwinkel des Lesers geworden sind“, betont die Dozentin. Auch zu erleben, wie sie während der Projektarbeit die Freuden und Leiden der journalistischen Praxis kennen lernen konnten, die Erfolgserlebnisse und den Stolz über die Veröffentlichung ebenso wie die Tücken, etwa der detaillierten Textarbeit und dem Schreiben nach Zeichenangabe.

Wie verbringt sie am liebsten ihre Freizeit?

Andrea Beyer lacht: „Naja, mein Beruf ist auch mein Hobby.“ Außerdem gehört ein Teil ihrer Zeit ihrem 15-jährigen Sohn. Und sie liest sehr gerne, im Moment ist sie von Stieg Larsson in den Bann gezogen. „Eigentlich lese ich gar keine Krimis“, fügt sie leicht verlegen hinzu. Aber der Tipp eines Freundes habe sie auf diese Trilogie gebracht und den ersten Teil habe sie direkt in einem durchgelesen. „Die ideale Sommerlektüre!“ Ansonsten gehe sie gerne ins Kino und im Sommer schwimmen. „Die Standards halt“, sagt sie unprätentiös.

Menschen in einer lebensfrohen Stadt

Aus Kaiserslautern kam sie zum Studium nach Mainz. Und ist dann hier hängengeblieben. „Ja, wie so viele“, lacht sie. So geht es in einem Buch der Reihe um Mainzer Menschen. Aufgrund der großen Nachfrage ist bereits eine zweite, überarbeitete Ausgabe von „Mainzer, Määnzer, Meenzer“ erschienen. „Klar, Porträts über Menschen in der eigenen Stadt interessieren die Leser natürlich! Und so etwas gab es bislang noch nicht.“ Als lebensfroh empfinde sie die Mainzer auf jeden Fall, sagt sie auf die Frage nach dem Untertitel. „Man kommt rasch und unkompliziert mit den Leuten ins Gespräch“, beschreibt sie. •em•


Foto: Privat


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