Stadionsprecher Klaus Hafner macht gute Stimmung

Der einzige Fan auf dem Platz

Seit 1989 ist Klaus Hafner Stadionsprecher des 1. FSV Mainz 05. In der Stadt und dem rheinhessischen Umland ist er bekannt wie ein bunter Hund.

Dass der Verein nicht mehr auf ihn verzichten will, hat er seiner Kompetenz zu verdanken und sicher seinem großartigen Talent, die Heimspiele des Erstligisten mit Sachverstand und Enthusiasmus zu kommentieren und auf jede noch so kleine Stimmungsschwankung im Publikum zu reagieren. Dass er umgekehrt den 05ern in guten Zeiten wie in weniger guten die Treue hält, liegt an seiner eigenen Begeisterung, der für den Fußball und der für „seinen“ Verein. „Die besten Fans, die beste Mannschaft, das beste Umfeld, so wie bei Mainz 05 muss Fußball sein“, lautet Hafners Überzeugung.

Respekt, Ruhe, VerantwortungÜber seine Aufgaben und auch seine Gefühle rund um die Heimspiele der 05er sprach Klaus Hafner mit der Lokalen auf der Baustelle der riesigen Coface-Arena, die im nächsten Jahr sein Arbeitsfeld verändern wird. Stark gewandelt habe sich aber auch der Aufgabenbereich mit den Jahren. Vom Ansager zum Moderator ist er geworden. Er versorgt das Publikum mit Infos über den Gastverein, die Spieler, besondere Gäste, die Werbepartner und Merchandising-Artikel sowie mit Interviews und Scheckübergaben. Als besondere Gäste bezeichnet Hafner nicht nur die Prominenten. Ihm liegen die Sehbehinderten und Rollstuhlfahrer am Herzen, die nur unter Strapazen zum Spiel gelangen. Aufstiege und Abstiege hat Hafner hautnah miterlebt, drei Bauphasen im Bruchweg, sah Spieler kommen und gehen. Und der 56-Jährige erinnert sich an frühere Zeiten: „Da habe ich noch in der Haupttribüne gesessen an einem Holztisch mit drei Beinen und hatte ein Schaltpult mit vier Reglern, von denen zwei defekt waren.“ Begrüßung, Vorstellung der Mannschaft, zwei Werbe- und die Toransagen und nach Spielende die Verabschiedung, das war einmal.
Heute bereitet er sich zwei bis drei Stunden vor Spielbeginn auf die zu vermittelnden Fakten vor, doch was dann kommt, plant er nicht. Aber er weiß, die Menschen im Stadion achten genau auf das, was er sagt und reagieren direkt. „Ich stehe im Fokus und bin der einzige, der direkt mit dem Publikum kommuniziert.“ Da heißt es, neutral bleiben, die gegnerische Mannschaft mit Respekt behandeln und doch für eine positive Stimmung für das eigene Team sorgen, die Ränge im Blick behalten, achten, dass sich keiner daneben benimmt und notfalls auch verbal eingreifen. Eine Wanderung auf äußerst schmalem Grat, die höchste Konzentration erfordert und große Verantwortung mit sich bringt. Als einmal Fans über den Zaun zum Spielfeld drängten, wurde es heiß für Hafner, denn hier fiel die Entscheidung über Klassenerhalt oder Abstieg, und Mainz führte. Hätte das Spiel abgebrochen werden müssen, die Folgen wären fatal gewesen für den Erstligisten.

Sein großes „Wohnzimmer
Fair Play und Emotionen sind Worte, die oft im Gespräch fallen, und die Mainz 05-Fans lobt Klaus Hafner über alle Maßen. „Sie halten zu diesem Verein in einer ganz besonderen Art und Weise.“ Ein Schauer läuft dem Urmainzer mit dem großen Herzen nach all den Jahren immer noch über den Rücken, wenn er die Mannschaftsaufstellung von der Lotto-Rheinland-Pfalz-Tribüne aus präsentiert: „Ich nenne den Vornamen und die Fans rufen den Nachnamen mit einer solchen Kraft, die Freude, Begeisterung und Überzeugung rüberbringt.“ Alle Facetten an Gefühlen erlebe man im Fußball. Traurig ist er schon ein wenig, den Bruchweg – „mein Wohnzimmer“ – im nächsten Jahr zu verlassen. Hier hat er seine Wurzeln, da ist er „dehaam“. Doch auch freudige Erwartung spielt mit. Gespannt ist Hafner auf „die Kraft der Stimmung“, die ihm dort begegnen wird. Und was ihn freut: „Ich bin der einzige Fan, der auf dem Platz stehen darf.“
Schlaflose Nächte vor dem Spiel plagen den routinierten und spontanen Moderator nicht, aber danach kann es sein, dass er erst gegen Morgen zur Ruhe kommt und endlich einschläft mit dem Wissen, er hat alles für seine große Familie Mainz 05 gegeben. hb


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