Zum 111. Mal Rosenmontagszug in Mainz
Spur des närrischen Zeitgeistes
Die Kälte, Regen und Schnee trotzenden Herren in ihren roten Jacken mit dem MCVEmblem auf dem Rücken sind wieder unterwegs und drehen ihre Runden in der Mainzer Innenstadt. „Die Zuuugplakettcher!“ hallt ihr Ruf.
Am 20. Februar findet der Rosenmontagszug 2012 statt, er ist der Höhepunkt einer jeden Fastnachtskampagne. Außerdem ist ein närrisches Jubiläum zu feiern: das 111. Mal. Grund genug also, sich über dieses geschichtliche Ereignis bei jemandem zu informieren, der viel darüber weiß. Dr. Michael Kläger ist Leiter des MCV-Archivs. Herzlich begrüßt er mich. Der Mainzer Rosenmontagszug wurde nicht zuletzt aufgrund des Erfolges seines Vorgängers, des „Krähwinkler Landsturms“ ins Leben gerufen. Diese Veranstaltung, die als erster Fastnachtsumzug in Mainz gilt, fand im Jahr 1837 statt. Der Name des Ereignisses geht auf zwei Theaterstücke von August von Kotzebue zurück, in denen die Bürger einer Kleinstadt (Krähwinkel) als Sinnbild für Spießigkeit und Engstirnigkeit stehen.
Der erste richtige Rosenmontagszug fand am 25. Februar1838 statt, ungefähr einen Monat, nachdem 91 Mainzer Bürger den Mainzer-Carneval- Verein gegründet hatten, der seitdem den Zug organisiert. Schon der erste Rosenmontagszug hatte ein Motto, das „Installation des Helden Carneval“ lautete. Bis heute wird die Mainzer Fastnacht von einem Motto begleitet. Das Motto der Kampagne 2012 heißt: „Dem Zeitgeist närrisch auf der Spur – mit Mainzer Fassenachtskultur!“Während die ersten Rosenmontagszüge im Zeichen närrischer Selbstpräsentation mit Gesang, Tanz und Verkleidung standen, wurden sie im Zuge der sozialen und politischen Entwicklungen Mitte der 1840er Jahre zunehmend politischer. Einschneidende politische Ereignisse, Katastrophen oder wirtscha liche Krisen waren es jedoch auch, welche dazu führten, dass die Mainzer keine Fastnacht feierten oder der Zug nicht stattfand. 10 Jahre nach Einführung des Rosenmontagszuges blieben die Narren zum ersten Mal stumm. Es war das Jahr 1848, und in den deutschen Staaten revoltierte das Volk. Von 1848 bis 1855 führte kein Rosenmontagszug durch Mainz.
Die längsten Perioden ohne Fastnacht und Rosenmontagszug waren die Zeiten der beiden Weltkriege. Den ersten Zug nach dem 1. Weltkrieg gab es erst im Jahre 1927. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der nächste Zug in 1950 begangen, es war der 50. Rosenmontagszug. Ein weiteres Mal ist der Zug seitdem im Jahr 1991 aufgefallen, als der Golfkrieg die Welt in Atem hielt. Beim Durchblättern der alten Ordner weist Archivar Michael Kläger auf die Aufzeichnungen aus dem Jahr 1913 hin. In jenem Jahr gab es den mit 106 Programmpunkten bis dato größten Rosenmontagsumzug der Mainzer Fastnachtsgeschichte. Zumindest in Mainz weiß eine jede und ein jeder, dass die Zahl 11 die Zahl der Narren ist. Die „11“ ist in vielerlei Hinsicht ein Symbol für Normüberschreitungen, um die es ja in der Fastnacht geht. Sie ist die erste Zahl nach der 10, die o mit den 10 Geboten in Verbindung gebracht wird. In der christlichen Symbolik symbolisiert die „11“ neben der Sünde auch die Vergänglichkeit, da sie die letzte Stunde eines Tages anzeigt. Und haben wir in letzter Zeit nicht des ö eren 11 Nullfünf- Kicker auf dem Rasen erlebt, die sich hier und da schon ein wenig närrisch angestellt haben? Hellau!
•Joe Dersch•

