Nachschuss

Mit dem Geist von Pippi Langstrumpf in den Endspurt

Endlich mal wieder eine Zeit, in der man über den FSV Mainz 05 sprechen kann, ohne das Wort zu verwenden, das wir alle nun langsam nicht mehr hören können und das mit „Kr“ beginnt und mit „ise“ aufhört.


Und das hätte sich auch nach einem verlorenen Heimspiel gegen Bayern München nicht geändert, denn kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, den Nullfünfern eine solche Niederlage übelzunehmen. Zu verlieren gegen die Bayern ist normal und gesellschaftsfähig. Nun ist Mainz 05 aber offenbar doch nicht so normal und gesellschaftsfähig, denn sie haben es gewagt, den Rekordmeister mit 3:2 auf die Heimreise zu schicken. Wunderschön ist es, wie harmonisch sich im Moment alles für den FSV Mainz 05 gestaltet. Die Nullfünfer haben das scheinbar Unmögliche wahr gemacht und wieder zu Hause gewonnen, und das gleich zweimal. Dass sich im Spiel gegen Stuttgart sämtliches (vermeintliches) Pech der bisherigen Saison in Glück verwandelt hatte, sollte uns nicht weiter stören. Genießen wir es doch einfach mal wieder, Nullfünf-Fan zu sein. Sehr harmonisch, nett und freundscha lich war übrigens auch das Techtelmechtel, das in den letzten Tagen medial zwischen dem „kleinen Mainz 05“ und den „großen Bayern“ ausgetragen wurde. Verbale Streicheleinheiten gab es allenthalben, vor allem von Seiten der Freistaatler in Richtung der Domstädter.

Da behauptete Spieler- und Trainerlegende Jupp Heynckes, dass Mainz 05 viel besser als sein momentaner Tabellenplatz sei. Der Bayern-Coach lobte zudem das neue Mainzer Stadion und, wie könnte es auch anders sein, die tollen Fans der Nullfünfer, die ja sowieso die besten in der Bundesliga seien. Und Bayern- Keeper Manuel Neuer fi ndet den Karnevalsverein vom Rhein sehr sympathisch und die Leute dort sehr nett. Muss man sich von den Großen der Liga als nett und sympathisch titulieren lassen? Das erinnert mich ein wenig an Olympiaden früherer Jahrzehnte. Damals gab es insbesondere bei den Laufwettbewerben der Damen zwei höchst unterschiedliche Typen. Es gab nett aussehende Läuferinnen mit lustigen Pippi-Langstrumpf- Zöpfchen in farbenfrohen Jerseys, die vor dem Start sympathisch in die Kamera lächelten. Und dann gab es die kurzhaarigen, strammnackigen muskulösen und stets mit fi nsterer Kampfesmine dreinblickenden Frauen, die manchmal nicht wie solche im herkömmlichen Sinne aussahen. Ja, und wer gewann schließlich die Medaillen? Pippi Langstrumpf war es nicht. Zurück zu unserer Frage, die Antwort lautet: Ja, man sollte sich von einem Großen der Liga sogar als nett und sympathisch titulieren lassen, wenn man ihn anschließend besiegen darf. Und daran haben sich Mainz 05 und der FC Bayern gehalten. Und an dieser Stelle möchte ich nun doch eine Lanze für Pippi Langstrumpf brechen und aufzeigen, warum das sympathische Mädchen aus Schweden eine Vorbildfunktion für die Nullfünfer auf dem Weg in die kommenden englischen Wochen einnehmen könnte. Punkt 1, sie hält es mit dem Rechnen nicht so genau.

Eine solche Einstellung könnte das Schreckgespenst der magischen 20 Vorrundenpunkte aus den Nullfünfer-Köpfen verbannen und den Kickern ihre Unbedarftheit zurückgeben. Punkt 2, sie macht was ihr gefällt. Hätten die Nullfünfer ö er nach diesem Motto gehandelt, hätten sie schon längst weit mehr als 20 Punkte. Punkt 3, sie dür e als Skandinavierin nicht gerade kälteempfi ndlich sein, und außerdem hat sie die Kra , ein Pferd zu stemmen, was sicherlich keiner weiteren Erläuterung bedarf. Auf geht´s, Nullfünfer, Vorrunden-Endspurt!

 

•Joe Dersch•


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